Die Rolle der deutschen Unternehmen in Indien

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Welche Rolle haben die deutschen Firmen in Indien für die deutsch-indischen wirtschaftlichen Beziehungen?

Das Thema der internationalen wirtschaftlichen Beziehungen hat in der heutigen globalisierten Welt an Popularität gewonnen. Während der fortschreitenden Entwicklung der Kommunikations-, Informations- und Transport-Technologien werden die zeitlichen und räumlichen Aspekte der Distanzüberwindung von Informationen und Waren jeglicher Art relativiert. Die Austauschprozesse zwischen Staaten, Unternehmen, Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen haben sich beschleunigt und intensiviert. Staaten sind keine geschlossenen Einheiten und nicht die einzigen Akteure in der Weltpolitik. Als Folge sind Regierungen und Gesellschaften über formelle und informelle Kanäle multipel miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Die Staaten sollen im Globalisierungsdiskurs nicht nur als Rahmen gebende Institutionen, sondern als aktive, die Globalisierung gestaltende Kräfte angesehen werden. Deshalb ist es wichtig, den Prozess der Entwicklung und der Veränderung der deutsch-indischen wirtschaftlichen Beziehungen zu diesem Zeitpunkt und im Laufe der Zeit zu studieren. Dabei soll die Rolle der deutschen Firmen in Betracht gezogen werden, denn die Struktur der deutschen und internationalen Wirtschaft verändert sich laufend. Die Tatsache, dass Unternehmen Arbeitsplätze, Wohlstand und Wachstum schaffen, lässt sich nicht bestreiten. Aufgabe der Politik ist es, die Unternehmen dabei zu unterstützen, sich an ein wandelndes wirtschaftliches Umfeld anzupassen. In Anbetracht der wachsenden gegenseitigen Beeinflussung von Wirtschaft und Politik sowie der zunehmenden Verknüpfung von Wirtschafts- und Außenpolitik, liegt es nahe, dass Firmen als Kernelemente ebenfalls auf wirtschaftliche Verhaltensweisen und Prozesse zutreffen.

Als Wirtschaft bezeichnet man die Gesamtheit der Einrichtungen und Maßnahmen, die sich auf Produktion und Konsum von Wirtschaftsgütern beziehen. Handelsbeziehungen zwischen zwei oder mehr Staaten sind die Grundlage einer internationalen Arbeitsteilung. Damit bezieht sich der Begriff auf die geschäftlichen Beziehungen zwischen Importeuren und Exporteuren. Natürlich bleiben diese Wirtschaftsbeziehungen nicht auf den Handel beschränkt. Es werden von beiden Seiten auch bedeutende Investitionen getätigt.

Es lässt sich nicht dementieren, dass die deutsche Wirtschaft in hohem Maße exportorientiert ist. Laut der Statistik hängt rund jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vom Export ab. Gleichzeitig ist Deutschland als rohstoffarmes Land auch auf Importe angewiesen – vor allem im Energiebereich. Trotz dieser Import-Abhängigkeit liegen in Deutschland die Warenausfuhren seit Jahrzehnten über den Wareneinfuhren. Im Jahr 2021 exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Waren im Wert von 1.375 Milliarden Euro und importierte im Gegenzug Waren im Wert von 1.203 Milliarden Euro. Deutschland ist Indiens wichtigster Handelspartner innerhalb der EU und sechstwichtigster Handelspartner im weltweiten Vergleich. Was Indien betrifft, so ist es nicht nur einer der größten Staaten der Erde, sondern auch eine der am stärksten aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt. Im Jahr 2021 hat das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Indien rund 8,95 Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen. Für das Jahr 2022 wird das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Indien auf rund 8,15 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert. Zu den wichtigsten Waren, die von Indien nach Deutschland exportiert werden, gehören unter anderem: Maschinen, organische Chemikalien, Bekleidungszubehör, Fahrzeuge, Metall- und Metallprodukte, Nahrungsmittel und Getränke sowie Pharmazeutika. Die wichtigsten deutschen Exporte nach Indien umfassen: Maschinen und Teile, elektrische Maschinen und Geräte, Fahrzeuge, medizinische Geräte, Chemikalien, Autoteile und Kunststoffe.

Im 16. Jahrhundert finanzierte Jakob Fugger, ein Kaufmann und Bankier aus Augsburg, die Reise des ersten deutschen Schiffes nach Goa und eröffnete damit eine Handelsroute zwischen Deutschland und Indien. Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert siedelten sich eine Reihe von deutschen Firmen in Indien und anderen ostasiatischen Ländern an, um Handel zu treiben. Im 19. Jahrhundert war es die deutsche Firma Siemens, welche die erste Telegrafenverbindung zwischen Kalkutta und London über Berlin legte. So ist die Geschichte der deutsch-indischen Beziehungen ziemlich lang. Die beiden Staaten pflegen langjährige freundliche Kontakte. Schon seit dem 17. Jahrhundert setzen sich die deutschen Forscher mit dem indischen Kulturkreis auseinander. Während des ersten Weltkrieges existierte geheime Zusammenarbeit zwischen den indischen Nationalisten und dem Auswärtigen Amt, einem der Ministerien der Bundesrepublik, das für die deutsche Außen- sowie Europapolitik zuständig ist. Die indische Seite suchte die Unabhängigkeit vom Britischen Empire zu erreichen, währenddessen bestand das strategische Interesse der deutschen Seite darin, den Kriegsgegner durch die Unruhen in seinem „Kronjuwel“ Indien zu schwächen. Diese geheime Abmachung scheiterte. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges schrieb Mahatma Gandhi zwei Briefe an Adolf Hitler. Diese entfalteten aber keine große Wirkung, denn sie waren natürlich pazifistisch ausgerichtet. Außerdem war die Legion Freies Indien im Zweiten Weltkrieg eine militärische Truppeneinheit der Wehrmacht, die aus indischen Studenten in Deutschland und ehemaligen indischen Kriegsgefangenen aufgestellt wurde. Ihre Hauptaufgabe war, zusammen mit deutschen Kräften über den Kaukasus durch Persien in vorderster Reihe bis nach Indien zu marschieren und dortige britische Kolonialherrschaft zu beenden. Schon nach Ende des Zweiten Weltkrieges war Indien die erste kriegführende Nation, die den Kriegszustand mit Deutschland beendete. Deutschland hat sich intensiv bei der Entwicklung von Bildung und kulturellem Leben in Indien eingesetzt. So half das Land auf Grundlage einer Regierungsvereinbarung von 1956 bei der Gründung des Indian Institute of Technology Madras. Die Unterstützung erfolgte sowohl auf technischer, als auch auf finanzieller Ebene. Eine der Hauptstraßen auf dem Campus ist zum Dank als Bonn Avenue bezeichnet worden. Mit deutscher Unterstützung wurde in den 1950er Jahren das Roukela-Stahlwerk errichtet. Die Stadt Rourkela ist um es herum entstanden. Das Stahlwerk ist eines der größten deutschen Entwicklungshilfeprojekte. Es wurde mit deutscher Entwicklungshilfe durch die Unternehmen wie AEG, Brown, Boveri & Cie., Krupp, Demag, Schloemann-Siemag, Siemens AG, Dr. C. Otto & Comp. Bochum errichtet, die damit umfangreiche Erfahrungen für den Maschinenbau-Export sammelten. Außerdem gründeten 2008 beide Staaten das Indo-German Science and Technology Centre in Neu-Delhi. Das Ziel ist, gemeinsame Forschung und Entwicklung in den folgenden Bereichen zu fördern: Energie, Umwelt, Kohle und Hydrotechnologie. Jetzt unterhalten die beiden Staaten starke Wirtschaftsbeziehungen in den Branchen Telekommunikation, Ingenieurtechnik, Umwelttechnik, Lebensmittelverarbeitung, Chemie und Pharmaprodukte. Was den politischen Bereich betrifft, so bemühen sich die Länder um einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Auf diese Weise entwickeln sich weiter die engen bilateralen Beziehungen, was von den Regierungen gefördert wird. Jetzt kann man sie bezeichnen als (nach Klassifikation von Michael Lischka und Ivo Mossig):

  • asymmetrische (Der Grad der Reziprozität ergibt sich aus der Annahme, dass zwischenstaatlichen Verflechtungsbeziehungen nicht auf einer vollständigen Gleichwertigkeit des Gebens und Nehmens basieren. Je symmetrischer der Austausch, desto homogener ist die Machtverteilung)
  • inter-field (Verflechtung in unterschiedlichen Feldern)
  • kooperativ (Staatliches gemeinsames Handeln wirkt sich bewusst vorteilhaft auf die beteiligten Partner aus)
  • langfriestig

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten sind gut und haben noch deutliches Potential für weiteres Wachstum. Der Anteil Indiens am deutschen Außenhandel liegt bei nur 0,5 Prozent und ist damit ungefähr so groß wie der Anteil Südafrikas. So ist das Austauschvolumen im Vergleich zu anderen Deutschlands Partnern ziemlich niedrig, als Folge lassen sich die wirtschaftlichen Beziehungen eher als extensiv beschreiben. Gesellschaftliche und geographische Nähe kann eine Triebfeder für die Entstehung von Verflechtungen sein, da Austausche durch gemeinsame Wertestrukturen erleichtert werden und ähnliche Akteursinteressen vorliegen. In diesem Fall können kulturelle und geographische Entfernungen Barrieren für engere Austausche schaffen. Wir dürfen auch außer Acht nicht lassen, dass eine gemeinsame kognitive Basis häufig eine Grundvoraussetzung für Zusammenarbeit ist, wobei eine gewisse kognitive Distanz als Interaktionsmotiv dienen kann, da sie gegenseitiges voneinander Lernen sowie Wissenswachstum verspricht. Durch die Wirtschaftsaktivitäten zeigen sich auf internationaler Ebene Verstetigungen oder Dynamiken in diesem Bereich in Form von Import- und Exportbeziehungen zwischen Ländern. Die Staatsregierungen haben durch ihre administrative Macht die Möglichkeit, diese Beziehungen zu regulieren oder zu deregulieren. Dadurch sind sie aktive Kräfte im Bereich der Schaffung oder des Abbaus gewisser Nähen. Nämlich davon hängt auch der Erfolg der Zusammenarbeit der internationalen Firmen, auf die sich diese Tendenzen auswirken.

Wie schon erwähnt wurde, die deutsch-indischen Handelsbeziehungen bezeichnet man in erster Linie als bilateral, wo die Basis dieser Handelsbeziehungen gegenseitige Handelsabkommen sind. Dabei werden die Handelsabkommen anhand des Integrationsrates unterschieden. Seit Beginn der indischen Reformpolitik und Öffnung der indischen Wirtschaft 1991 hat das bilaterale Handelsvolumen schnell zugenommen. Nach wie vor ist die entwicklungspolitische Zusammenarbeit Deutschlands mit Indien ein wichtiger Bestandteil der bilateralen Beziehungen. Die Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit sind: Energie und Energieeffizienz, nachhaltige Stadtentwicklung sowie Umwelt- und Ressourcenschutz. Indien und Deutschland haben derzeit (2018) kein Handelsabkommen, da Deutschland an die Grenzen seiner EU-Mitgliedschaft gebunden ist. Stattdessen strebt Indien ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union an, das sogenannte Broad Based Trade and Investment Agreement (BTIA), das von Deutschland unterstützt wird. „Deutschland ist ein wichtiger Partner, weil indische Firmen, die in Europa arbeiten wollen, gerade jetzt wegen des Brexits Deutschland als Zentrum für den europäischen Markt annehmen. Indien will die Zusammenarbeit mit Deutschland deshalb ausbauen“. Die Verhandlungen über den BTIA wurden wegen Meinungsverschiedenheiten über IPR-Probleme und Einfuhrzölle eingestellt. Nach dem Brexit haben die EU-Mitglieder jedoch erneut Interesse an einem Abkommen mit Indien gezeigt. Die Grundlage der deutsch-indischen wirtschaftlichen Beziehungen ist die „Agenda für die Deutsch-Indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert“ vom Mai 2000, die seither durch weitere gemeinsame Erklärungen fortgeschrieben wurde. „Beide Länder sind entschlossen, das große Potenzial einer vertieften bilateralen Partnerschaft auszuschöpfen, das gilt insbesondere für die wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit. Aber sie wollen auch bei der Bewältigung neuer globaler Herausforderungen enger zusammenarbeiten; dabei verfolgen sie das gemeinsame Ziel, Frieden, Stabilität und Sicherheit sowie Wohlstand in ihren jeweiligen Regionen und darüber hinaus zu fördern“, Agenda für die deutsch-indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert, New Delhi, 18. Mai 2000. Im Bereich der wirtschaftlichen Beziehungen werden sich die Regierungen bemühen, „Märkte zu öffnen, Prozeduren zu vereinfachen, sowie erkannte Hindernisse im rechtlichen und administrativen Bereich zu beseitigen; Ziel hierbei ist, den bilateralen Handel zu steigern und Direktinvestitionen in beiden Ländern zu erhöhen“. Besonders wichtig sind auch die Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, zu denen die Kabinette beider Länder seit 2011 im Zweijahresrhythmus abwechselnd in Deutschland und Indien zusammenkommen. “Ministerpräsident Modi und Bundeskanzlerin Merkel bekundeten erneut ihre Entschlossenheit, Handel und Investitionen zwischen beiden Ländern auszuweiten“, steht im Dokument der Dritten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen, New Delhi, 5. Oktober 2015. Man plant, diese Zusammenarbeit noch enger und intensiver zu machen, weil das für beide Seiten gewinnbringend wird. «Bislang sind die Potenziale in Indien erst rudimentär ausgeschöpft», sagte Glunz.

          Der Begriff „Unternehmen“ wird häufig auch mit „Betrieb“ gleichgesetzt. Wird der Betrieb nur als technisch-organisatorische Einheit betrachtet im Sinne eines Werks oder einer Produktionsstätte, kann ein Unternehmen mehrere Betriebe umfassen. Das Unternehmen ist dann dem Betrieb übergeordnet. Mit Firma wiederum ist fachsprachlich der Name eines Unternehmens gemeint. Es ist wichtig zu verstehen, dass Unternehmen oder Betriebe organisierte Wirtschaftseinheiten sind. Ihre Aufgabe ist es, Güter oder Dienstleistungen her- oder bereitzustellen, die zur Befriedigung der Bedürfnisse der Bevölkerung dienen. Man unterscheidet zwei Typen der Firmen.

  • Private Unternehmen sind Unternehmen, an denen der Staat keinen Anteil hat.
  • Öffentliche Unternehmen hingegen sind entweder öffentlich-rechtliche, also rein staatliche Unternehmen, oder private Unternehmen, die zum Großteil oder ganz in staatlicher Hand sind. Um als solches zu gelten, muss ein öffentliches Unternehmen vorrangig „öffentliche Zwecke“ verfolgen. 

Was die Ziele angeht, so sind die Bedarfsdeckung, Verlustminimierung, Kostendeckung und der angemessene Gewinn zu nennen. Es sei bemerkt, die Firmen sind zum einen gefordert, sich auf neue Gegebenheiten einzustellen, die beispielsweise die Digitalisierung mit sich bringt. Zum anderen können sie den Wandel auch mitgestalten. Ihre Hauptfunktionen (nach der Klassifikation von Hans-Peter Wiendahl) sind Folgende.

  • Beschaffen ist die Bereitstellung der zur Lösung der betrieblichen Gesamtaufgabe notwendigen Produktionsfaktoren.
  • Absetzen oder Verkaufen ist die Vermarktung der im Betrieb erstellten Sach- und Dienstleistungen.
  • Die Funktion der Leistungserstellung ist allgemein die Produktion. Sie umfasst wahlweise die Gewinnung von Rohstoffen bei Betrieben der Urproduktion, die Herstellung eines Fertigteiles oder die Bereitstellung von Dienstleistungen.
  • Die Gestaltungsfunktion ist die Entwicklung der zu produzierenden Güter. Sie müssen so gestaltet werden, dass sie den technischen Anforderungen und den Wünschen der Kunden entsprechen.
  • Die Finanzierungsfunktion umfasst die Bereitstellung des Kapitals für den betrieblichen Prozess, also die Planung der Verteilung des Kapitals auf die einzelnen betrieblichen Vorhaben, die Planung des gesamten Finanzbedarfs sowie die Ausführung der Finanzvorgänge.
  • Die Kontrollfunktion besteht in der Überwachung sämtlicher betrieblicher Vorgänge.
  • Die Führungsfunktion besteht im Festlegen der Unternehmenspolitik auf kurze und lange Sicht, der Koordination der betrieblichen Teilbereiche und der Überwachung des Erfüllens der Unternehmensziele. Vom Führungssystem bezieht das gesamte betriebliche Geschehen seine Impulse.

Die deutsch-indischen Beziehungen im Bereich des Handelns werden von bestimmten Institutionen kontrolliert. Die Deutsch-Indische Handelskammer ist eine deutsche Auslandshandelskammer und bietet Geschäftslösungen für Unternehmen an, die Geschäfte mit Indien oder Deutschland planen. Es sei betont, der bilaterale Handel hat sich sprunghaft entwickelt. Bis 2010 sollte der Handel auf zehn Milliarden Euro ausgeweitet werden, lag aber bereits 2009 bei über 13 Milliarden Euro. Deutschland ist innerhalb der Europäischen Union (EU) der wichtigste bilaterale Handelspartner Indiens. Besonderes Interesse besteht in Indien an Investitionsgütern und Fahrzeugen, so dass im Jahr 2010 ein deutscher Exportüberschuss von ca. 3 Milliarden Euros im bilateralen Handel besteht. Eine Reihe deutscher Automobilfirmen wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz haben in den letzten Jahren Produktionsstätten in Indien gegründet. Die wichtigsten deutschen Exportprodukte bilden Maschinen, chemische und elektrotechnische Waren, die indischen Einfuhren nach Deutschland bestehen hauptsächlich aus Textilien und Lederwaren. Die wachsende Verflechtung zeigt sich auch am zunehmenden Engagement deutscher mittelständischer Firmen in Indien. Gegenwärtig (2011) sind rund 1800 deutsche Unternehmen in Indien aktiv. Mittlerweile investieren auch indische Firmen zunehmend in Deutschland. Momentan (2011) sind ca. 240 indische Unternehmen in Deutschland vertreten. Dies sollte mittelfristig auch die Diversifizierung der indischen Ausfuhren erhöhen. Die deutschen Direktinvestitionen in Indien sind seit 1991 deutlich angestiegen. Deutschland zählt seit Jahren zu den zehn größten Investoren in Indien, angelockt vor allem von den Aussichten eines wachsenden indischen Binnenmarktes. Bis Ende 2008 gab es deutsche Direktinvestitionen in Höhe von ca. 4,3 Milliarden Euro in Indien. Über die Hälfte der Investitionen ging nach Maharashtra, gefolgt von Karnataka, Gujarat und Tamil Nadu. Die indischen Direktinvestitionen in Deutschland beliefen sich im selben Zeitraum auf knapp 300 Millionen Euro.

Namhafte deutsche Firmen wie Bosch, Volkswagen, BASF, Bayer, Braun und Adidas sind im indischen Markt bereits fest etabliert. Diese Marken stellen entweder ihre Produkte im Land her oder erbringen ihre Dienstleistungen in den Bereichen Technologie und Maschinenbau durch Joint Ventures (JVs) mit indischen Unternehmen. 2018 sind rund 1.600 deutsche Unternehmen in Indien durch indische Partner oder Tochtergesellschaften tätig und sorgen dabei direkt und indirekt für rund 400.000 Arbeitsplätze. Zum einen ergänzen Deutschlands fortschrittliche Fähigkeiten in Wissenschaft und Technik die Bedürfnisse der schnell wachsenden indischen Wirtschaft, die ihre Fertigungsbasis verbreitern, die Urbanisierung beschleunigen und die Infrastruktur verbessern will. Darüber hinaus können deutsche Unternehmen relevante Arbeitsplätze schaffen, um die große Zahl der, in Indien ausgebildeten, Arbeitskräfte in Wissenschaft und Technologie zu beschäftigen. Diese Wachstumssorgen motivieren einen Großteil der wirtschaftlichen Agenda der Regierung Modi, wie in ihren Flaggschiff-Programmen veranschaulicht: Make in India, Skill India, Digital India und Smart Cities. Indien hat sich aktiv um eine deutsche Beteiligung und Investitionen in diesen Bereichen bemüht, wobei es sich auf starke bilaterale Geschäfts- und Handelsbeziehungen stützt. Nämlich durch die stetig wachsende Investitionstätigkeit wird die weitere Entwicklung unverändert optimistisch gesehen. Als eines der wichtigsten Empfänger der ausländischen Investitionen in Asien zählt Indien schon heute zu den größten Absatzmärkten der Welt. Ebenso wie die Höhe der Investitionen wächst, nimmt auch die Zufriedenheit der Investoren zu. Selbst bei pessimistischer Schätzung ist der indische Markt heute immerhin schon so groß wie der von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zusammen.

Große deutsche Unternehmen haben bereits Produktionsstätten in Indien aufgebaut. Zum Beispiel, BASF, die Automobil-Kraftwerke Mercedes Benz und Volkswagen. Die meisten deutschen Unternehmen ziehen es vor, mit einem lokalen indischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um ihre Navigation in Indiens rechtlicher und regulatorischer Landschaft zu erleichtern. In der Praxis stellte sich heraus, dass diese Strategie im Laufe der Jahre für deutsche Unternehmen gut funktioniert. Sie sind gekommen, um den indischen Markt besser zu verstehen und haben begonnen, ihre Produkte entsprechend anzupassen. In Bezug auf die Handelsbeziehungen entfielen im Jahr 2016 56 Prozent des Handels auf indische Importe aus Deutschland, während die Exporte nach Deutschland 44 Prozent des gesamten Handels zwischen den Ländern ausmachten.  Aus den Grafiken und Statistiken ergibt sich, dass der Handel zwischen den beiden Ländern in den Jahren 2011-2012 seinen Höhepunkt erreichte. Danach begann er zu sinken. Diese Tendenz lässt sich durch die weltweiten Konjunkturabschwächung erklären. Dennoch ist das Handelsvolumen weiterhin stabil und beide Länder haben ihr Engagement zur Förderung der Handelsbeziehungen, wie das schon erwähnt wurde, bekräftigt.

Zu beachten ist außerdem, dass sich besonders aktiv die Beziehungen zwischen indischen Firmen und einigen bestimmten Regionen Deutschlands wie zB Bayern entwickeln. Über 100 indische Unternehmen haben ihre Büros in Bayern, darunter führende IT-, Automobil-, Elektro- und Pharmaunternehmen wie Infosys, Wipro, Mahindra & Mahindra, Graphite India, Samvardhana Motherson Group, Hero Motocorp Ltd., Tata Consultancy Services, HCL, L & T InfoTech, Dr. Reddy’s Lab, Torrent Pharma, Aurobindo Pharma, Glenmark Arzneimittel, Quest usw. 2019 waren bereits über 350 bayerische Unternehmen in Indien tätig, darunter Siemens, BMW, Audi, MAN, Adidas, Allianz AG, Munich Re, EADS, Infineon und Linde. Nach Angaben des State of Bavaria India Office bestehen rund 1.500 Geschäftsbeziehungen zwischen bayerischen Unternehmen und Indien. Darüber hinaus wurden über 300 indisch-bayerische Joint Ventures gegründet. Rund 30.400 indische Staatsbürger leben in Bayern, knapp die Hälfte von ihnen lebt nach offiziellen Zahlen für 2020 in München. Indische Unternehmer, Unternehmen und Hochschulabsolventen können das wirtschaftsfreundliche Ökosystem Bayerns nutzen, das ein breites Spektrum von Unternehmen von Start-ups in der Wachstumsphase bis hin zu Großkonzernen, insbesondere in der Technologie- und Life-Sciences-Industrie, abdeckt. Im Jahr 2019 initiierte die bayerische Regierung u.a. massive Investitionen in den Ausbau von F&E in die Künstliche Intelligenz (KI), Hochschulreformen, nachhaltige Entwicklung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dies sind Bereiche, in denen indische IT-Unternehmen und Tech-Unternehmer teilnehmen können. Mittlerweile hat Indien über 50.000 Start-ups registriert und hatte bis April 2021 38.815 aktive Start-ups. 

Es ist wichtig an diesem Punkt zu verstehen, welche Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren für die deutschen und anderen ausländischen Firmen von Belang sind. Diejenigen ausländischen Unternehmen, die bereits vor Ort in Indien tätig sind, tun dies mehrheitlich sehr ergebnisreich. So erarbeitet das in Indien eingesetzte Kapital eine höhere Wertschöpfung als in den meisten anderen asiatischen Staaten. Beispielsweise ist der Ressourceneinsatz in Indien deutlich effektiver als in China, und die ausländischen Investoren erwirtschaften in Indien einen höheren Turnaround. Nach dem FDI Survey 2004 stehen 73% der fast 400 befragten ausländischen Investoren Indien als Investitionsziel positiv gegenüber. Rund 93% sehen weitere Investitionsmöglichkeiten und 86% wollen ihr Engagement weiter ausbauen. Was die deutschen Unternehmen angeht, so ist die Situation weniger eindeutig. Zwar haben die deutschen Direktinvestitionen in Indien Anfang der 1990er Jahren stark zugenommen, sanken aber seit 1997 wieder ab. Das Zwischenfazit lautet daher: die deutsche Wirtschaft macht von den Möglichkeiten, die Indien bietet, vollkommen unzureichend Gebrauch – oder, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 14. Juni 2004 titelte – „Deutschland vernachlässigt Indien“. Damit läuft die deutsche Wirtschaft große Gefahr, notwendigen Einfluss auf dem indischen Markt an konkurrierende Staaten zu verlieren und später nur noch erschwert Zugang zu finden. Für das noch geringe deutsche Engagement sind folgende Faktoren zu nennen:

  • das schlechte Image Indiens. Indien taucht in den deutschen Medien in allererster Linie dann auf, wenn Negatives zu berichten ist, wie etwa Naturkatastrophen, Überbevölkerung, Armut, Kinderarbeit oder Zugunglücke. Positive Nachrichten finden dagegen äußerst selten ihren Weg in die deutsche Presse. Daran haben auch die Erfolge im indischen Hochtechnologiebereich nichts geändert. Während man beispielsweise in den USA, England, Japan oder Frankreich Indien als zukünftige asiatische Wirtschaftsmacht neben China sieht (z.B. Newsweek oder Economist), konzentriert sich die deutsche Presse fast ausschließlich auf China.
  • nicht reichende Vorbereitung am Anfang der Zusammenarbeit. Die ersten negativen Erfahrungen zogen nach sich dieses geringe Engagement, getreu dem Motto „Wenn schon die Firma XY solche Probleme in Indien hat, sollten wir besser nicht in Indien investieren“.

Die Befragung der deutschen Unternehmen im Rahmen einer Dissertation (Standort Indien. Der Subkontinentalstaat als Markt und Investitionsziel ausländischer Unternehmen, Wamser 2005) in den Jahren 2002 bis 2004 zeigte, dass zu den wichtigsten Misserfolgsfaktoren folgende gehören:

  • fehlende Kenntnisse über Indien / zu wenig Vorbereitung
  • falscher / schlechter Standort
  • Strategie zu kurzfristig / falsche zeitliche Planung
  • Unzureichend geeigneter Geschäftspartner
  • Fehleinschätzung des Marktpotenzials
  • kulturelle Probleme / kulturelles Fehlverhalten
  • falsche Marktstrategie / falsches Marktverhalten
  • schlechtes Management / schlechte Manager
  • Naivität / Gutgläubigkeit
  • Eigene Selbstüberschätzung

Alle diese Punkte zeigen, dass die deutschen Unternehmen eigene Probleme zu analysieren versuchen. Diese Analyse regt zur Weiterentwicklung der deutsch-indischen wirtschaftlichen Beziehungen an. Eine sorgfältige, verantwortungsvolle Vorbereitung muss also auch zwangsläufig die regionalen, lokalen, zeitlichen und kulturellen Aspekte mit einbeziehen. Es gibt Sprachbarrieren und Kulturbarrieren, dazu klagen die meisten Unternehmen in Indien immer noch über eine aus ihrer Sicht maximale Bürokratie. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass die Regierungen jetzt viel machen, damit die Firmen die Herausforderungen schnell überwinden könnten. Indiens Premier Modi versucht immer wieder, durch große PR-Kampagnen um Investoren in Indien zu werben. Die indische Botschaft in Berlin hat dafür das Programm „Make in India Mittelstand“ aufgelegt. Sie stellt Berater, die durch den Dschungel aus Behörden, Lizenzen, Regelungen in Indien helfen. Zusätzlich hat die indische Regierung 2015 ein sogenanntes Schnellverfahren für deutsche Firmen in Aussicht gestellt – weniger Behördengänge, weniger Genehmigungen, das ist das Ziel. Die Firmen stoßen auf Korruption, Logistik, Traditionsgebundenheit und Währungsrisiken, aber trotz aller Risiken beherbergt dieses Land ein enormes Potential.

Aus den Misserfolgsfaktoren ergibt sich auch die Kehrseite, die Erfolgsfaktoren:

  • intensive Marktkenntnisse / Verstehen der Strukturen Indiens
  • Wahl des richtigen Standorts
  • Verfolgen einer langfristigen Strategie
  • Intensive Vorbereitung auf den indischen Markt / auf Indien
  • Nutzung Berater / Experten / Erfahrungen Anderer / Analysen
  • Durchhaltevermögen
  • Gute Kontakte zu wichtigen anderen Unternehmen, aber auch Regierungs-/Verwaltungsstellen, Gewerkschaften etc.
  • Angemessenes, adäquates Management
  • Einschaltung von Expatriats
  • Wahl des richtigen Partners

Nur die fundierten Kenntnisse über und eine sorgfältige Vorbereitung auf Indien sind unabdingbare Voraussetzungen, um den Erfolg einer Indientätigkeit nachhaltig zu sichern. Mit der Zeit tauchen immer neue Probleme auf, die möglichst schnell zu lösen sind. Eines solcher Probleme war die Corona-Pandemie. Die Corona-Welle hat Indien hart getroffen. Doch deutsche Unternehmen betrachten das Land nach wie vor mit Optimismus, wie eine neue Studie zeigt. Eine Gefahr aber bleibt. Stefan Halusa, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, sagte, die Digitalisierung habe in Indien und Deutschland durch die Pandemie einen enormen Schub erhalten. «So erreichen uns fast täglich Anfragen von deutschen Unternehmen aus dem Bereich IT, die eine Niederlassung in Indien gründen wollen oder Partner für die Zusammenarbeit suchen».

          Das Deutschland-Team von Invest India zielt darauf ab, deutsche Unternehmen bei ihren Expansionsplänen nach Indien zu unterstützen. Auf der Internetseite der Agentur „Invest India“ https://www.investindia.gov.in/de-de/country/germany können sich die deutschen Unternehmen über die Handels- und Investitionsmöglichkeiten informieren. Solche Initiative erleichtern die Anfangsarbeit der Unternehmen, die noch keine Erfahrungen in diesem Bereich haben. Das Interesse am Start der Geschäfte in Indien unter den kleinen und mittleren deutschen Unternehmen zeigt die Wichtigkeit dieses Sektors.

Die internationalen Beziehungen erleben heute eine fundamentale Änderung, die Gemeinsamkeiten mit früheren wechselhaften Perioden der Weltgeschichte aufweist. Zwischenstaatliche Verflechtungen und Interdependenzen sind primäre Charakteristika der Globalisierung. Die Staaten sind gezwungen, mit einander zu arbeiten, um erfolgreiche innere Politik durchführen zu können. Die internationale Wirtschaftsordnung befindet sich auch im Wandel.

Die deutschen Firmen in Indien spielen eine echt wichtige und große Rolle für die heutige und weitere Entwicklung der deutsch-indischen Beziehungen. Dauerhafte Verbindungen haben den Boden für weitere erfolgreiche Arbeit mit einem der neuen großen Arbeitsmärkte der Welt bereitet. Ihre Erfolge und sogar Misserfolge zeigen die immer steigenden Chancen der weiteren ergebnisreichen Zusammenarbeit der beiden Länder. Für die deutschen Unternehmen scheint es unerlässlich, sich mit dem steigenden Potenzial Indiens ernsthaft zu beschäftigen. Sie sollen sich erst recht fragen, ob sie es sich leisten können, einen der größten Märkte der Welt links liegen zu lassen. Neue Strategien der zukünftigen Zusammenarbeit sind zu entwickeln. Indien als wirtschaftlicher Partner gewinnt an Attraktivität für die globale „Business Community“. Eine derartige Bewertung erfordert detaillierte Kenntnis aller relevanten Aspekte Indiens, ohne die eine erfolgreiche Umsetzung und Tätigkeit in Indien kaum möglich erscheint.

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